Unterwegs im Teslawald

„Ich bin der Wald, ich bin uralt“, beginnt der alte Förster mit ernster Miene ein Gedicht vorzutragen. „Ich hege den Hirsch, ich hege das Reh, ich bau euch das Haus, ich heiz euch den Herd. Drum ihr Menschen, haltet mich wert.“

Der besinnliche Reim will nicht so recht zu dem passen, was vor dem Pensionär, der seinen Namen lieber nicht veröffentlichen will, passiert. Autos und Forstmaschinen stehen am Wegesrand, zwischen den Bäumen tauchen hier und da Männer in orangefarbener Schutzkleidung mit Sprengstoffsonden auf, ab und zu heult eine Motorsäge. An einem „Betreten verboten“-Schild vorbei geht es in eine matschige Straße, immer tiefer in den Wald.

Auszug aus einer Reportage für Zeit Online, 11.01.2020

Was wir von Finnland lernen können

„Ich habe nie an mein Alter oder mein Geschlecht gedacht, sondern an die Gründe, die mich in die Politik gebracht haben.“ Mit Sätzen wie diesen hat Sanna Marin, Finnlands designierte Regierungschefin, von Anfang an klargemacht, worauf sie nicht reduziert werden möchte: eine Frau und noch dazu jung zu sein. Eigentlich wäre es ja an sich schon eine Nachricht, dass die Sozialdemokraten am Wochenende eine Nachfolgerin für Finnlands zurückgetretenen Ministerpräsidenten Antti Rinne gewählt haben. Da Marin aber mit 34 Jahren bald die jüngste amtierende Regierungschefin der Welt sein wird, hat ihr Alter doch eine Bedeutung, vielleicht auch über Finnland hinaus. (Auszug) Erschienen auf Zeit Online, 10.12.2019

Mit Essen die Welt retten

In Deutschland werden laut WWF bis zu 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr verschwendet. Davon könnten Schätzungen zufolge etwa 10 Millionen Tonnen gerettet werden. Hier setzen einige neue Startups an: Sie verkaufen Lebensmittel via App an Verbraucher, bevor diese im Müll landen. Erschienen in Die WELT, 9.12.2019

Tesla in Brandenburg: „Jetzt sind wir dran“

In Brandenburg soll Teslas neue Fabrik entstehen. Die Bewohner von Grünheide schwanken zwischen Vorfreude und Skepsis. Ihnen wird nicht zum ersten Mal Hoffnung gemacht.

Schön ist es in der Tat, geradezu beschaulich liegt die Gemeinde zwischen zwei kleinen Seen da. Bis gestern Abend war Grünheide einfach nur ein Dorf im Berliner Speckgürtel. Dann hat Tesla-Chef Elon Musk gewohnt überraschend auf einer Preisverleihung in Berlin eine Bombe platzen lassen: Nach zwei Standorten in den USA und Shanghai in China soll ausgerechnet hier die nächste Gigafabrik des amerikanischen Elektroautoherstellers entstehen. (Auszug) Erschienen auf Zeit Online, 13.11.2019

Kann die App mein Makler sein?

Wie viele Versicherungsverträge habe ich eigentlich? Und was taugen sie? Unsere Autorin will Ordnung in ihre Policen bringen und fährt dabei zweigleisig. Sie vergleicht die Empfehlungen eines Versicherungsberaters mit einem Tool.

Der Startschuss zu meiner persönlichen „Mission: Ordnung“ kommt in Form einer Zahl: 19,90 Euro werden von meinem Konto abgebucht – für eine Reise-Krankenversicherung. Dabei hatte ich doch erst kürzlich 19 Euro für genau diesen Zweck an ein anderes Versicherungsunternehmen überwiesen. Sollte ich etwa zwei Auslandskrankenversicherungen haben? (Auszug), Die WELT, 20.07.2019

Leihmütter in Griechenland: Das ist nicht ihr Baby

Frauen in Griechenland bekommen für kinderlose Paare aus Deutschland Babys – angeblich völlig legal. Wir haben die Leihmütter gesucht und ein düsteres Geschäft gefunden.

… Eine Leihmutterschaft zu kommerziellen Zwecken ist auch in Griechenland ausgeschlossen. Sie ist nur aus altruistischen Motiven zugelassen, also aus reiner Nächstenliebe. Das setzt im Prinzip voraus, dass es eine persönliche Beziehung zwischen Wunscheltern und Leihmutter gibt, dass beispielsweise eine Schwester oder Cousine das Kind austrägt oder eine enge Freundin. Weil es nicht um ein Geschäft gehen soll, dürfen die Leihmütter nur eine Aufwandsentschädigung von maximal 10.000 Euro erhalten – für den Ausfall ihrer Verdienste während der Schwangerschaft. Warum aber sollte eine Frau ein Kind für ein fremdes Paar austragen, das noch dazu aus dem Ausland kommt, ohne dafür ein Honorar zu erhalten? In griechischen Presseberichten ist von hohen Summen zu lesen, die ausländische Kunden an die Kliniken zahlen. Dort ist die Rede von Fruchtbarkeitstourismus oder sogar von Menschenhandel. (Auszug) Erscheinen auf Zeit Online, 24.05.2019

Eine Idealistin in Berlin

Die 29-jährige Pilippa Sigl-Glöckner gehört zu den einflussreichsten Frauen ihrer Generation. Sie will das System verändern. Ihr Instrument: die Lehre der Volkswirtschaft.

Wer an diesem Frühlingsabend am Restaurant „Pratergarten“ im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg vorbei läuft, ahnt nicht, dass die Gruppe junger Menschen an einem der vielen besetzten Holztische gerade das Zusammenspiel von Fiskal- und Geldpolitik debattiert. Im ersten Moment denkt man gar, da säßen nur Männer – typische Berliner Hipster in Hochwasserhosen, Nerd-Brille und langen Haaren; erst auf den zweiten Blick fallen die drei Frauen auf, die zwischen ihnen sitzen. Mittendrin eine schlanke, große Brünette, die Haare lässig zum Knoten gebunden, keine Schminke, dafür Perlenohrringe. Vor ihr steht eine halb ausgetrunkene Rhabarberschorle. Alleine an ihrer Ausstrahlung, ihrem Benehmen und ihrer Nonchalance erkennt man, dass sie wohl eine wichtige Rolle spielt in dieser Gruppe und dass das, was sie zu sagen hat, von Gewicht ist und Belang. (Auszug) Erschienen in Bilanz – Das deutsche Wirtschaftsmagazin, Mai 2019

Gut beraten mit Familie

In Deutschland sind Frauen, die sich entscheiden, Kinder groß zu ziehen, noch immer beruflich im Nachteil. Alleine ihre Arbeitszeit reduziert sich im Schnitt um 20 Prozent, wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung kürzlich herausgefunden hat. Um der Doppelrolle als Arbeitskraft und Mutter gerecht zu werden, wechseln viele Frauen dann in eine Teilzeitstelle – was oft weitreichende Folgen für ihre berufliche Zukunft hat. In der Beraterbranche war dieser Effekt lange Zeit noch stärker. Die Branche ist noch immer ein Männer dominierter Bereich, vor allem in den höheren Führungsebenen sucht man oft vergebens nach weiblichen Vorbildern. Die hohe Belastung durch die Reisetätigkeit zum Kunden und lange Arbeitstage war für Mütter oft nicht zu schaffen. Die Folge: Spätestens mit der Schwangerschaft haben viele Frauen den Job gewechselt. Seit einigen Jahren versucht die Branche, dem entgegenzuwirken und hat Mechanismen entwickelt, den weiblichen Nachwuchs zu unterstützen und damit zu halten. Dafür sind auch Vorbilder wie Schulte Strathaus von EY verantwortlich. (Auszug) Erschienen in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Hochschulanzeiger, 01/2018

Unerfüllter Kinderwunsch? Diese Methoden sind legal

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland etwa 58.000 Frauen in Kinderwunschzentren behandelt. Das heißt nicht, dass es immer an der Frau liegt, wenn ein Paar ohne Kinder bleibt. Etwa zu gleichen Teilen liegen die Ursachen bei der Frau, dem Mann oder beiden. Medizinisch ist inzwischen im Prinzip alles lösbar. Babys können mit Spendersamen oder fremden Eizellen erzeugt werden. Oder mit Spendersamen und fremden Eizellen. Leihmütter können sie austragen. Die Angebotspalette der weltweiten Fortpflanzungsindustrie ist riesig. Wer eine Kinderwunschbehandlung will, hat es in Deutschland nicht leicht – die Regeln sind streng. Viele Deutsche umgehen die strengen Gesetze, indem sie sich im Ausland helfen lassen. Das aber birgt Risiken. (Auszug) Die WELT / 15.12.2017

Unterm Weihnachtsbaum ist weniger mehr

Für viele Eltern bedeuten Weihnachtsgeschenke vor allem Stress. Dabei müsste das gar nicht so sein. Schenken soll eigentlich Freude machen und die Familie an Weihnachten zusammen bringen. Geht es nach dem Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff, würden wir uns darauf wieder mehr besinnen. „Wir leben in einer Zeit, in der Kinder überhäuft werden mit Geschenken“, sagt der Erziehungsexperte und Buchautor. Je mehr man allerdings schenke, desto weniger könnten Kinder die Geschenke als solche wertschätzen. Er empfiehlt deshalb, dass Eltern das Schenken bewusst steuern, sich Gedanken machen – und die Stückzahl einschränken. Bei Kleinkindern beispielsweise reichen drei Geschenke völlig aus. (Auszug) Die WELT, 20.11.2017